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Musik

Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim

6. Abonnementkonzert - Hinter den Blitzen Blau

Zuerst das Licht. Grell, wie eine Wahrheit, die zu früh kommt. Dann der Klang des Regens – nicht auf den Dächern, sondern in der Seele. Und wenn das Krachen verhallt ist, hebt sich ein neues Blau. Leise, nicht triumphal. Aber es ist da.

Hinter den Blitzen Blau: Diese Musik trauert ohne Lärm. Stattdessen: Tropfen. Heinz Holligers „Tröpfli-Musik“ tastet sich vorsichtig an eine neue Stille heran, als würde jede Violine ein Wasserspiegel sein, der die Welt in kleinen Verzerrungen zurückwirft. Dann erhebt sich eine Stimme. Osvaldo Golijovs Lieder erzählen von Pferden, die fliegen, von Müttern, die wachen, von Wind, der zu langsam weht, um zu trösten. Es ist der Schlaf, der nicht kommt. Ein mittelalterliches „Kyrie“, gestammelt durch die Jahrhunderte, klingt plötzlich gegenwärtig. Guillaume de Machaut ruft um Erbarmen – und der Klang, von Streichern getragen, klingt nicht fromm, sondern existenziell. Hartmanns Klarinette zerreißt die Luft. Nichts daran ist sentimental, alles daran ist Erinnerung. Dann kehren wir zurück zu Dowland – dessen Tränen, vom 17. ins 21. Jahrhundert getragen, immer noch fließen. Am Ende Mendelssohn. Ein Abschied, wie nur ein Bruder ihn schreiben kann: an Fanny, an das Licht, das sie hinterließ.

Foto: Dimitri Dyuric