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Oberbürgermeister Peter Boch schlägt Ehrenbürgerwürde für Waltraud Steinle vor

Gemeinderat entscheidet am 24. März

Oberbürgermeister Peter Boch schlägt dem Gemeinderat vor, Waltraud Steinle das Ehrenbürgerrecht der Stadt Pforzheim zu verleihen. Mit der höchsten Auszeichnung der Stadt soll ihr jahrzehntelanges, außergewöhnliches Engagement für den Wildpark Pforzheim gewürdigt werden. Der gemeinderätliche Hauptausschuss befasst sich mit der entsprechenden Beschlussvorlage in seiner Sitzung am 17. März. Die finale Entscheidung trifft der Gemeinderat am Dienstag, 24. März. Ein besonderer Moment begleitet den Vorschlag: Am heutigen 2. März wird Waltraud Steinle 104 Jahre alt. Oberbürgermeister Boch konnte ihr damit bereits bei seiner Gratulation am Vormittag die frohe Kunde überbringen.

„Waltraud Steinle steht wie kaum eine andere Persönlichkeit für Beharrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und tiefe Verbundenheit mit unserer Stadt“, betont Oberbürgermeister Boch. „Ohne ihr außergewöhnliches Engagement wäre der Wildpark heute nicht das grüne Juwel, das Generationen von Familien, Kindern und Gästen aus nah und fern begeistert.“ Der OB hebt hervor, dass Steinle dabei nie das Rampenlicht gesucht habe, ihre Wirkung aber umso größer sei. „Sie hat Ideen nicht nur unterstützt, sondern getragen, vorangetrieben und über Jahre hinweg am Leben gehalten. Dieses Maß an Verlässlichkeit und Hingabe ist alles andere als selbstverständlich“, so Peter Boch weiter. Steinle habe den Wildpark stets als Ort verstanden, an dem Naturerlebnis, Bildung und Gemeinsinn zusammenkommen. „Was sie für den Wildpark geleistet hat, ist weit mehr als Unterstützung: Es ist ein Lebenswerk.“

Waltraud Steinle wurde am 2. März 1922 in Pforzheim geboren. Sie erlebte die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg und half wie viele ihrer Generation beim Wiederaufbau. Gemeinsam mit ihrem Mann Ewald Steinle baute sie sich im zerstörten Pforzheim eine neue Existenz auf. Von Beginn an teilte sie dessen Begeisterung für die Idee eines Wildparks, den Ewald Steinle als Stadtrat maßgeblich vorantrieb. 1967 wurde der Wildparkförderkreis gegründet, 1968 der Wildpark eröffnet.

Über Jahrzehnte hinweg unterstützte Waltraud Steinle das Engagement ihres Mannes mit ganzer Kraft. Nach dessen Tod im Jahr 2006 übernahm sie zunehmend seine Rolle. Sie wurde zu einer zentralen Unterstützerin des Wildparks, knüpfte und pflegte enge Kontakte zum Wildparkteam und zum Förderverein und engagierte sich ideell wie finanziell mit großem Einsatz. Dank ihres Engagements konnten zahlreiche Projekte realisiert werden – darunter ein moderner und aufwendiger Gehegen-Neubau im Zentrum des Wildparks im Jahr 2009 sowie die Gründung der Ewald und Waltraud Steinle Stiftung im Jahr 2014. Ziel der Stiftung ist es, den Wildpark dauerhaft zu unterstützen und die Eintrittsfreiheit für kommende Generationen zu sichern. 2019 folgte die Eröffnung einer begehbaren Volierenanlage für Uhus und Waldrappen.

Auch im hohen Alter blieb Waltraud Steinle aktiv. Anlässlich ihres 100. Geburtstags sammelte sie Spenden für den Wildpark und setzte sich mit Nachdruck für das bislang größte Projekt in der Geschichte des Wildparks ein: den Neubau des Besucherzentrums. Selbst mit über 100 Jahren nahm sie an Sitzungen teil und war 2024 beim Spatenstich persönlich anwesend. Im Herbst 2025 wurde das Besucherzentrum eröffnet. Der zentrale Platz trägt seither ihren Namen: Waltraud-Steinle-Platz. „Der Wildpark ist heute eines der bekanntesten Aushängeschilder unserer Stadt“, so Boch. Viele Menschen hätten dazu beigetragen, doch das Engagement der Familie Steinle nehme eine herausragende Stellung ein. Wenn Ewald Steinle als „Vater des Wildparks“ gelte, sei es folgerichtig, Waltraud Steinle als dessen „Mutter“ zu würdigen.

Mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts wäre Waltraud Steinle die zehnte Person und zugleich die erste Frau nach dem Zweiten Weltkrieg, der diese Auszeichnung in Pforzheim verliehen wird.