Zum Inhalt springen
  • Aufgelockerte Bewölkung: 25-50% 30 °C
  • Kontrast
  • Leichte Sprache

Hilfe nach sexueller Gewalt: vertrauliche Spurensicherung und medizinische Versorgung

Ein vertrauliches Angebot für Pforzheim und den Enzkreis

Das Wichtigste zuerst:

  • Das Angebot ist kostenlos.
  • Es muss keine Anzeige bei der Polizei gemacht werden.
  • Spezialisierte Fachkräfte der Gewaltambulanz Heidelberg oder Stuttgart kommen für die Beweissicherung direkt in das Helios Klinikum Pforzheim.
  • Da findet medizinische Untersuchung und Versorgung statt.
  • Alle beteiligten Fachkräfte haben Schweigepflicht.

Wo bekomme ich Hilfe?

Die Hilfe ist rund um die Uhr (Tag und Nacht) in der Notaufnahme verfügbar:

Helios Klinikum Pforzheim Kanzlerstraße 2-6 75175 Pforzheim

An der Anmeldung: Man muss dort keine Details erzählen. Um die Privatsphäre zu schützen, können folgende Sätze genutzt werden:

  • „Ich möchte zur Gynäkologischen Ambulanz.“ (Das ist der diskreteste Weg).
  • „Ich brauche Hilfe nach einem körperlichen Übergriff.“
  • „Ich brauche Hilfe nach Gewalt.“

Alternativ kann man im Helios-Klinikum anrufen und einen Untersuchungstermin vereinbaren: 

Telefon: 07231 96 94 25 70

Was man vor der Untersuchung beachten sollte

Um Beweise (Spuren) gut sichern zu können, ist es hilfreich, wenn:

  • man sich vor der Untersuchung nicht wäscht oder duscht.
  • man die Kleidung, die man bei der Tat anhatte, nicht wäscht.
  • man (wenn möglich) frische Kleidung zum Wechseln mitbringt. Die Tat-Kleidung wird oft als Beweismittel gesichert.

Wichtig: Auch wenn man sich schon gewaschen hat, sollte man trotzdem kommen! Eine Untersuchung und medizinische Hilfe sind immer noch möglich und wichtig.

So läuft die Hilfe ab

  1. Vorgespräch: Zuerst wird in Ruhe besprochen, was passiert ist und welche Untersuchungen sinnvoll sind. Alles ist freiwillig. Man kann zu jedem Zeitpunkt entscheiden, was man möchte und was nicht (z.B. ob Fotos gemacht werden sollen).
  2. Medizinische Versorgung: Ärzt*innen im Helios Klinikum behandeln Verletzungen und beraten zum Schutz vor Krankheiten oder einer Schwangerschaft.
  3. Spezialisierte Spurensicherung: Auf Wunsch werden Fachkräfte der Rechtsmedizin (Gewaltambulanz Stuttgart oder Heidelberg) gerufen. Diese kommen direkt nach Pforzheim.
  4. Die Untersuchung: Der Körper wird genau auf Verletzungen untersucht (meist von „Kopf bis Fuß“). Es werden Fotos gemacht und Proben genommen (z.B. DNA-Abstriche, Blut oder Urin). Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft.
    • Frauen: Die Untersuchung erfolgt gemeinsam durch die Rechtsmedizin und die Gynäkologie des Klinikums. So muss man nur einmal untersucht werden.
    • Männer: Auch für Männer gibt es eine entsprechende Untersuchung und Spurensicherung.
  5. Dauer: Das Gespräch und die Untersuchung dauern insgesamt meist 1-2 Stunden

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich zur Polizei gehen?

Nein. Die Spurensicherung dient dazu, Beweise für später zu „retten“. Man kann in Ruhe nachdenken, ob man Anzeige erstatten möchte. Wichtig: Sexuelle Gewalt ist ein „Offizialdelikt“. Sobald die Polizei davon erfährt, muss sie ermitteln. Eine Anzeige kann man nicht zurückziehen.

Wer führt die Untersuchung durch?

Die medizinische Hilfe leisten Ärzt*innen im Helios Klinikum. Die Spurensicherung machen Fachkräfte der Gewaltambulanzen Stuttgart oder Heidelberg (Rechtsmedizin). Das Geschlecht der untersuchenden Personen im Klinikum hängt von der jeweiligen Dienstbesetzung ab.

Was passiert mit den Beweisen und Daten?

  • Spuren (Asservate): Die Spuren werden in der zuständigen Rechtsmedizin (Stuttgart oder Heidelberg) gelagert. Die Aufbewahrungsfrist beträgt 1 Jahr. Wenn man möchte, dass die Spuren länger gelagert werden, kann man das beantragen. Wenn die Frist zur Aufbewahrung abläuft, werden die Spuren vernichtet, ohne dass man nochmals benachrichtigt wird.
  • Besonderheit bei Minderjährigen: Bei Kindern und Jugendlichen werden die Spuren bis zum 19. Lebensjahr sicher aufbewahrt.
  • Berichte und Fotos: Diese Dokumente werden mindestens 10 Jahre sicher gespeichert.

Kostet das etwas?

Die Untersuchung und Spurensicherung sind kostenlos. Die Abrechnung erfolgt diskret über die Krankenkasse oder das Land. Erst wenn später ein schriftliches Gutachten (z. B. für ein Gericht) erstellt werden muss, entstehen dafür Kosten.

Darf jemand mitkommen?

Ja. Eine Vertrauensperson kann zur Unterstützung mitgebracht werden.

Warum ist die Untersuchung auch ohne sichtbare Verletzungen wichtig?

Nicht jede Verletzung ist von außen sofort zu sehen. Beratung ist sehr wichtig, weil es vielleicht gesundheitliche Folgen gibt (Infektionen, Schwangerschaft, seelische Belastung). 

Was ist, wenn die Tat länger als 3 Tage her ist?

Nach mehr als 72 Stunden ist eine Sicherung von DNA-Spuren meist nicht mehr möglich. Dennoch ist eine Untersuchung wichtig, um Verletzungen zu dokumentieren und medizinische Hilfe zu erhalten. In diesem Fall kommen Sie bitte tagsüber in das Klinikum.