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Veranstaltungen

Nachtland

Schauspiel von Marius von ­Mayenburg

Nach dem Tod ihres Vaters finden die Geschwister Nicola und Philipp auf dem Dachboden des Elternhauses ein unscheinbares Aquarell, das die Signatur „A. Hiller“ trägt. Oder ist das erste „l“ vielleicht doch ein „t“ – und das Gemälde ein echtes Werk des „Führers“? Kaum steht diese Möglichkeit im Raum, da geraten Philipp, Nicola, deren Ehepartner:innen Judith und Fabian sowie eine Hitler-Expertin und ein interessierter Käufer auch schon in Streit darüber, wie man mit diesem Wissen umgehen soll: Hat das Gemälde etwa einen finanziellen, historischen oder sogar künstlerischen Wert, nur weil es von Hitler sein könnte? Kann man die Kunst überhaupt vom Künstler trennen? Und wäre es moralisch vertretbar, das Ganze zu Geld zu machen? 

Wie sich die Familie in aberwitzige Diskussionen um Schuld, Sühne, antisemitische Klischees und Vorurteile sowie haarsträubende Erbschaftsstreitigkeiten verstrickt, wie Familiengeschichten gefälscht, lukrative Provenienzen behauptet und wechselseitig unmoralische Angebote unterbreitet werden, ist eine Klasse für sich! Marius von Mayenburg, Dramaturg, Regisseur und Autor zahlreicher preisgekrönter und international gespielter Stücke, gelingt mit „Nachtland“ – ein Auftragswerk für das Londoner Royal Court Theatre, uraufgeführt 2022 an der Berliner Schaubühne – eine lustvoll-böse Sprachkomödie über unsere problematische Vergangenheitsbewältigung, die genau bis dahin geht, wo der Profit anfängt.