Die Ergebnisse der Wunschbaum-Aktion des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen wurden offiziell an den Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch und die Vize-Landrätin des Enzkreises Dr. Hilde Neidhardt übergeben. Die Übergabe erfolgte durch die Inklusionsbeauftragte des Enzkreises, Anne Marie Rouviere-Petruzzi, sowie den Inklusionsbeauftragten der Stadt Pforzheim, Mohamed Zakzak.
Die Wunschbaum-Aktion war Teil des Europäischen Protesttags, der am 7. Mai 2026 auf dem Pforzheimer Marktplatz stattfand. Unter dem bundesweiten Motto „Neustart Inklusion“ beteiligten sich zahlreiche Menschen mit Behinderungen, Angehörige, Fachkräfte, Selbstvertretungsorganisationen sowie Bürgerinnen und Bürger an der Aktion. Mehr als 60 Wünsche, Anliegen und Forderungen wurden dabei an einem Wunschnetz angebracht und anschließend ausgewertet. Die Rückmeldungen zeigen eindrucksvoll, welche Themen Menschen mit Behinderungen in ihrem Alltag bewegen. Die Forderungen wurden in die Bereiche Recht und Gleichstellung, Arbeit und Finanzen, Bildung, Schule und Betreuung, Barrierefreiheit, Politik und Bürokratie sowie Gesellschaft und Kommunikation gegliedert.
Im Themenfeld Recht und Gleichstellung stehen insbesondere gleiche Rechte, eine konsequente Umsetzung der Gleichstellung, die Sicherung individueller Leistungsansprüche sowie eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen im Mittelpunkt. Im Bereich Arbeit und Finanzen wünschen sich die Teilnehmenden unter anderem eine gerechte Bezahlung von Menschen mit Behinderungen, insbesondere in Werkstätten, mehr Unterstützung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, zusätzliche inklusive Arbeitsplätze sowie eine bessere finanzielle Absicherung. Das Themenfeld Bildung, Schule und Betreuung macht deutlich, dass eine inklusive Bildung von Anfang an gestärkt werden muss. Genannt wurden unter anderem mehr Unterstützung für inklusive Schulen, ausreichend Schulbegleitungen, verlässliche Kinderbetreuung sowie eine bessere Ausstattung der Bildungseinrichtungen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Barrierefreiheit. Die Beteiligten fordern den konsequenten Abbau baulicher Barrieren, barrierefreie Arztpraxen, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen, sichere Wege sowie eine zuverlässige barrierefreie Mobilität. Auch konkrete Hinweise auf bestehende Hindernisse in Pforzheim und im Enzkreis wurden aufgenommen. Im Themenfeld Politik und Bürokratie wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger weniger bürokratische Hürden, verständlichere Verwaltungsverfahren, mehr Mitbestimmung sowie einen regelmäßigen Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Menschen mit Behinderungen. Die Rubrik Gesellschaft und Kommunikation verdeutlicht abschließend den Wunsch nach mehr Respekt, Wertschätzung und gegenseitigem Verständnis. Darüber hinaus wurden mehr Angebote zum Erlernen der Gebärdensprache, eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung sowie ein selbstverständlicher Umgang mit Vielfalt und Inklusion gefordert.
Mit der Übergabe der Ergebnisse möchten die Inklusionsbeauftragten der Stadt Pforzheim und des Enzkreises die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger unmittelbar an die Verwaltungsspitzen herantragen. „Unser Ziel ist es, die Wünsche und Forderungen in zukünftige politische Entscheidungen und Maßnahmen einfließen zu lassen und den Dialog über eine inklusive Gesellschaft weiter zu stärken. Die Wunschbaum-Aktion hat gezeigt, dass Inklusion viele Lebensbereiche betrifft und nur gemeinsam gelingen kann“, betonen die beiden Inklusionsbeauftragten Anne Marie Rouviere-Petruzzi und Mohamed Zakzak. Die zahlreichen Rückmeldungen machten deutlich, dass sowohl auf Bundes- und Landesebene als auch auf kommunaler Ebene weiterer Handlungsbedarf bestehe. Die gesammelten Ergebnisse sollten deshalb als Impuls dienen, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Pforzheim und im Enzkreis nachhaltig weiterzuentwickeln.
