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Frauenpolitischer Sommerabend

Ein Abend voller Impulse, Mut und Vernetzung

Drei Personen mit Büchern in der Hand vor einer Blumenwand.
Autorin Sarah Zöllner (Mitte) mit den Gleichstellungsbeauftragten Lea Niewerth (Pforzheim, rechts) und Kinga Golomb (Enzkreis).
© EnzkreisFoto: Enzkreis

„Frauen koordinieren tagtäglich den Spagat zwischen Fürsorge, Erwerbsarbeit und Ehrenamt. Sie bringen dabei Kompetenzen mit, die in der Politik unverzichtbar sind – deshalb brauchen wir mehr Frauen in politischen Ämtern.“

Mit dieser Überzeugung eröffneten die beiden Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Pforzheim und des Enzkreises, Lea Niewerth und Kinga Golomb, den frauenpolitischen Sommerabend in der Pforzheimer Stadtbibliothek. 50 Frauen erlebten ein Programm, das politische Realität, persönliche Erfahrungen und konkrete Visionen zusammenbrachte.

Den inhaltlichen Einstieg gestaltete die Journalistin und Autorin Sarah Zöllner, die aus ihrem Buch „Mütter in die Politik!" las. Das Werk beschreibt in klaren Worten und mit konkreten Belegen, warum Frauen in politischen Gremien nach wie vor unterrepräsentiert sind und was sich dringend ändern muss. Zöllner machte deutlich, dass sich Frauen nicht erst in die Politik einpassen müssen, sondern dass die Politik sich verändern muss, um Frauen gerecht zu werden.

Im Mittelpunkt des Abends stand ein Podiumsgespräch mit zwei Kommunalpolitikerinnen aus der Region: Antonia Walch, Bürgermeisterin von Sternenfels, und Nathalie Schönfeld, Gemeinderätin in Pforzheim. Schönfeld brachte ihre Erfahrungen aus der kommunalpolitischen Praxis ein. Sie weiß, welche unsichtbaren Hürden im Alltag lauern. Auf die Frage, welche Stellschrauben gedreht werden müssten, um Müttern politische Partizipation zu ermöglichen, antwortete sie: „Wir brauchen familienfreundlichere Sitzungszeiten, verlässliche Kinderbetreuung für alle Gremiensitzungen und eine politische Kultur, die die Kompetenzen von Frauen und Müttern anerkennt“. 

Antonia Walch sprach offen über die Zeit, in der sie selbst Kinder bekommen hat – mitten in ihrer politischen Laufbahn. Sie schilderte dabei den Spagat zwischen Amtsverpflichtungen und Muttersein. „Obwohl meine Gemeinde mich in dieser Lebensphase unglaublich unterstützt hat, hat es mich trotzdem auch zerrissen.“, erklärte sie. Nicht gleichzeitig bei ihrem Kind und im Rathaus sein zu können, habe sich oft so angefühlt, als würde sie niemandem so richtig gerecht. Umso mehr wisse sie aber ihr soziales Netz zu schätzen. Sowohl ihr Stellvertreter im Amt als auch das Rathaus-Team und nicht zuletzt ihr Ehemann stärkten ihr den Rücken. 

Stichwort Netzwerke: Sie, so lautet eine Erkenntnis des Abends, spielen eine entscheidende Rolle, wie Frauen den Einstieg in die Kommunalpolitik finden. Nicht die formalen Strukturen, sondern die gewachsenen und informellen Netze, zum Beispiel in Schulen, Vereinen, Kirchengemeinden oder der Nachbarschaft; Orte, an denen Frauen ohnehin schon präsent und aktiv sind. Auch Mentoringprogramme wurden als konkretes Instrument diskutiert: Kann man politisches Selbstvertrauen weitergeben? Die Antworten aus dem Publikum und vom Podium lauteten übereinstimmend: „Ja, wenn die Räume dafür geschaffen werden.“

Dass dieser Abend kein einmaliges Event bleiben soll, machten die Veranstalterinnen deutlich. „Politische Teilhabe von Frauen ist kein Bonus. Sie ist eine demokratische Notwendigkeit“, sagt Lea Niewerth. Und ihre Enzkreis-Kollegin Kinga Golomb verspricht: „Wir werden nicht aufhören, dieses Thema zu platzieren, immer wieder, in jedem Gespräch, in jedem Gremium und vor allem in unserer Arbeit.“