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Abschlussausstellung im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim

Internationales Stipendienprogramm Designers in Residence

 

Eine Spule mit Draht umwickelt
Eindruck von dem Projekt „world woven::the things you wouldn’t want to forget“ von Floor Berkhout.
© Benedikt AdlerFoto: Benedikt Adler
Bemalte Vasen mit beschrifteten Papierrollen darin
Projekt „Currents“ von Hanna-Katri Eskelinen
© Benedikt AdlerFoto: Benedikt Adler
Vier Frauen mit weißer Kleidung auf einem Gruppenbild
Projekt „Goldstadt“ von Minerva Skyttä
© Benjamin KesslerFoto: Benjamin Kessler

Ende Juni präsentiert eine Ausstellung im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim drei spannende Designprojekte: Die Nachwuchsdesignerinnen Floor Berkhout aus den Niederlanden, Hanna-Katri Eskelinen aus Schweden und Minerva Skyttä aus Finnland waren im Rahmen des Stipendienprogramms „Designers in Residence“ drei Monate lang in Pforzheim zu Gast. In dieser Zeit haben sie in den Werkstätten des EMMA und der Hochschule sowie in Kooperation mit lokalen Akteuren an ihren Designprojekten gearbeitet. Die Stadt Pforzheim schreibt das Stipendienprogramm jährlich in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim und dem Design Center Baden-Württemberg aus. 
Die Eröffnung der Ausstellung findet am heutigen Freitag, 26. Juni, um 19 Uhr im EMMA – Kreativzentrum Pforzheim statt. Nach einer Begrüßung durch Almut Benkert, Fachbereichsleiterin Kreativwirtschaft beim Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, und einer Einführung von Prof. Silke Helmerding von der Hochschule Pforzheim stellen Floor Berkhout, Hanna-Katri Eskelinen und Minerva Skyttä ihre Arbeiten vor.
Die Ausstellung ist anschließend vom 27. Juni bis 12. Juli geöffnet. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Samstag von 14 bis 19 Uhr und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In ihrer Arbeit „world woven::the things you wouldn’t want to forget“ untersucht Floor Berkhout die Darstellungsmöglichkeiten komplexer Informationsinfrastrukturen, indem sie das Handwerk des Webens als ursprüngliche Form der Programmierung, und den Webstuhl als Vorgänger des Computers identifiziert: alles Digitale besteht aus Abfolgen der zwei Zahlen 1 und 0, analog dazu wird der Schussfaden beim Weben entweder über oder unter dem Kettfaden verkreuzt. Für ihr Stipendienprojekt recherchierte Berkhout die rechnergestützte Webtechnik des Fädelspeichers (eng. core rope memory), die im Rahmen der Apollo-11-Mission verwendet wurde, die 1969 erstmals Menschen auf den Mond brachte. Der Computer speicherte seine Navigationssoftware in gewebten Fäden: Ein Draht durch einen Magnetring speicherte eine 1, ein Draht um einen Magnetring herum eine 0. Die Software, entwickelt von einem Team am MIT unter der Leitung von „Rope Mother“ Margaret Hamilton, wurde in Fabriken von Hand gewebt, von Frauen deren Arbeit nicht gewürdigt wurde. Ihre Arbeit wurde als „LOL-memory“ bezeichnet: „Little Old Ladies-memory“. Im Fädelspeicher nehmen die Daten physischen Raum ein, lassen sich anfassen und verändern. Im Gegensatz zu modernen Smartphones benötigt er keine Updates oder neue Hardware und verschleißt nicht. Die Langlebigkeit des Fädelspeichers sollte auch für die Erinnerung an die Frauen gelten, die ihn entwickelt haben. Ihre Namen sollten nicht in Vergessenheit geraten. Diese Arbeit ist eine Hommage an sie und an diese Technik. Während der Ausstellungseröffnung am 26. Juni 2026 können Besucherinnen und Besucher den Namen einer Frau weben, die nicht in Vergessenheit geraten darf, und sie so dem kollektiven Gedächtnis unvergesslicher Frauen hinzuzufügen. Diese Installation ist die dritte Arbeit in einer Reihe namens „a woven world“.

Die Installation „Currents“ der Illustratorin, Animatorin und Grafikdesignerin Hanna-Katri Eskelinen setzt sich mit dem Konzept der Ökotopie auseinander, den konkreten Visionen und Träumen einer alternativen und nachhaltigen Zukunft. Mittels digitaler, physischer und interaktiver Illustrationen lotet die Arbeit das Spannungsfeld von Geheimnis und Offenbarung aus und zeigt, wie unsere Träume und Hoffnungen auf eine alternative Welt durch gemeinschaftlichen Austausch greifbare Gestalt annehmen können. Aufbauend auf einem kollaborativen Workshop, der auf dem Inselsteg in Pforzheim stattfand, wurden die Ideen und Träume der Teilnehmenden für eine bessere Welt in Keramikflaschen und Zeichnungen umgesetzt. Die in den Flaschen verborgenen Botschaften können durch eine interaktive Illustration enthüllt werden. Sie zeigen, wie eine Gemeinschaft – und dadurch auch das Individuum – durch gemeinsame Vorstellungskraft Heilung erfahren kann. Angesichts aktueller sozialer, ökologischer und politischer Herausforderungen nutzt Eskelinen die Methoden der visuellen Kommunikation sowie einen multidisziplinären Ansatz, der Illustration, Animation und Keramik vereint. Diese dienen ihr als verbindende und gemeinschaftsfördernde Elemente sowie als Form des Widerstands. Die Installation öffnet einen Raum, der es ermöglicht gemeinsame Visionen einer egalitären und mitmenschlichen Welt zu erträumen und die Sinnhaftigkeit einer Zukunft zu bewahren.

Die Modedesignerin Minerva Skyttä hat sich auf innovative, skulpturale Strickmode spezialisiert. Mit „Goldstadt“ hat sie eine Strickkollektion erschaffen, die die unendlichen künstlerischen Möglichkeiten von Strick mit präziser, intuitiver Handwerkskunst und zeitgenössischem Design verbindet. Die endgültigen Formen, der mit einer traditionellen mechanischen Maschine gestrickten Stücke, werden durch die Eigenschaften der eingesetzten Materialien und Veredelungstechniken bestimmt. Sie sind nicht reproduzierbar und es werden keine Materialabfälle produziert. Für die Kollektion arbeitete sie mit Papiergarn, Baumwolle, Wolle, Perlen und Silberketten. Wolle verleiht den gestrickten Formen neue Flexibilität, während Perlen und Silberketten Teil des Strickwerks selbst werden. Das Papiergarn spiegelt Skyttäs Heimatstadt Kouvola in Finnland wider, in der Papierfabriken und Industrie das Stadtbild geprägt haben. In Pforzheim wollte die Designerin mit Perlen und Silberketten arbeiten, da die Stadt auf eine lange Tradition in der Schmuckherstellung zurückblicken kann. Der Schmuck wurde direkt in die Kleidungsstücke eingestrickt und ist dadurch Teil der formgebenden Struktur. Die Designs entstanden intuitiv, nicht auf Grundlage vorgefertigter Muster, und sind von alltäglichen Beobachtungen geprägt. Die Silhouette einer Vintage-Sportjacke, die Skyttä auf einem Flohmarkt in Pforzheim gefunden hatte, wurde so zum Ausgangspunkt für mehrere Stücke.

Die Stipendiatinnen 
Floor Berkhout (NL) ist Künstlerin und Forscherin mit einem Master of Arts in Information Design von der Design Academy Eindhoven und einen Bachelor of Arts in Textiltechnologien vom Amsterdam Fashion Institute. Sie nutzt den Webstuhl, den Vorläufer unserer heutigen Computer, als Ausgangspunkt, um grundlegende Fragen darüber zu stellen, wie Computer unser Leben prägen und wie wir darauf Einfluss nehmen können. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zweier sehr unterschiedlicher Welten – der schnellen, abstrakten Welt der digitalen Technologie und der langsamen, praktischen Welt des Handwerks – und verleiht den unsichtbaren digitalen Systemen eine physische Form, die man anfassen und verändern kann. Sie arbeitet aus einer feministischen und queeren Perspektive und fragt, wie Menschen Freiheit und Handlungsfähigkeit innerhalb strenger, regelgebundener Computersysteme finden können. Ihr Ziel ist es, dazu beizutragen, die digitale Welt inklusiver und weniger unsichtbar zu machen, denn unsichtbare Infrastrukturen können niemals demokratisch sein.


Hanna-Katri Eskelinen ist eine finnische Illustratorin, Animatorin und Grafikdesignerin. Sie lebt derzeit in Schweden und verbindet in ihren Werken Fantasie und Realität, um Gefühle wie Freude, Nostalgie und Hoffnung zu erforschen. Mit einem Bachelor of Arts der Aalto-Universität (2023) und einem Master of Arts der Konstfack (2025) entwirft Eskelinen Visionen für alternative, nachhaltige Zukunftsbilder. Während der Auseinandersetzung mit der anhaltenden Klimakrise und dem Ökozid, nutzt Eskelinen Illustration, Animation und Poesie, um Menschen und Gemeinschaften in alternativen und spekulativen Welten in den Mittelpunkt zu stellen und damit die dringende Notwendigkeit neuer Wege des Zusammenlebens und gemeinsamen Wachstums zu unterstreichen. 


Minerva Skyttä ist eine finnische Modedesignerin mit einem Master of Arts der Aalto-Universität. Sie hat sich auf innovative und skulpturale Strickmode spezialisiert, die handwerkliches Können und zeitgenössisches Modedesign vereint. Sie hat eine Stricktechnik entwickelt, bei der kein Materialabfall entsteht, und betrachtet Mode in erster Linie als Kunstform. Der Körper steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit; ihre Kleidungsstücke sind tragbare Skulpturen, die durch Bewegung, Schwerkraft und die Elastizität der gestrickten Strukturen zum Leben erweckt werden – individuelle Kunstwerke statt Produkte für die Massenproduktion.

EMMA – Kreativzentrum Pforzheim
Das EMMA – Kreativzentrum Pforzheim ist die zentrale Plattform für Pforzheims Kreative. In einem ehemaligen Jugendstilbad an der Enz gelegen, bietet das Kreativzentrum auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern Werkstatt- und Coworking-Arbeitsplätze, Ateliers, Büros und Ausstellungsflächen. Auch die Stadt selbst zeichnet sich durch eine lebendige Kreativszene mit Schwerpunkt im Bereich Design aus. Zahlreiche Hochschulabsolventen, Existenzgründerinnen und-gründer, Freelancer und Unternehmen aus der Kreativwirtschaft arbeiten in Pforzheim und beleben den Standort.
„Designers in Residence“ wird unterstützt von der Sparkasse Pforzheim Calw, C. Hafner, und dem Rotary Club Pforzheim-Schloßberg.