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Fachveranstaltung zum Thema „Frauen mit Suchterkrankung besser vor Gewalt schützen“

Fachrunde diskutiert Handlungsbedarf

Eine Gruppe von Menschen steht, beziehungsweise sitzt in einem Raum. Neben ihnen ist ein Flipchart zu sehen.
Die Mitglieder der Fokusgruppe der Fachveranstaltung „Frauen mit Suchterkrankung besser vor Gewalt schützen“
©Kinga GolombFoto: Kinga Golomb

Wie können Frauen mit Suchterkrankungen, die Gewalt erleben, besser geschützt und unterstützt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung, zu der die Gleichstellungsbeauftragten des Enzkreises, Kinga Golomb, und der Stadt Pforzheim, Lea Niewerth, sowie die Inklusionsbeauftragten Anne-Marie Rouvière-Petruzzi (Enzkreis) und Mohamed Zakzak (Stadt Pforzheim) eingeladen hatten. Die Veranstaltung fand im Kulturraum des Neuen Technischen Rathauses statt und war Teil der Reihe „Frauen mit Behinderung besser vor Gewalt schützen“.

Sonja Lohrengel, stellvertretende therapeutische Leitung der Kraichtal Kliniken, Suchttherapeutin (KVT) und Sozialpädagogin (M. Sc.), führte durch den Abend zum Schwerpunktthema. Sie gab einen eindrücklichen Überblick über die Versorgungssituation von Frauen mit Suchterkrankungen in der Region und zeigte auf, warum diese Zielgruppe im Gesundheits- und Hilfesystem häufig durch das Raster fällt. In Deutschland erlebt eine von drei Frauen im Laufe ihres Lebens Gewalt. Etwa fünf Millionen Frauen in Deutschland leben mit mindestens einer stoffgebundenen Abhängigkeit oder Verhaltenssucht. Rund 60 bis 70 Prozent suchtkranker Frauen berichten von Gewalterfahrungen, deutlich mehr als in der übrigen Bevölkerung.

Trotz dieser alarmierenden Fakten sind viele Hilfesysteme immer noch unzureichend miteinander verzahnt. So finden Frauen mit aktiver Substanzabhängigkeit häufig keinen Zugang zu Frauenhäusern, während Suchtberatungsstellen Betroffene nur selten an Gewaltfachstellen weitervermitteln. Fehlendes Wissen, Unsicherheiten und ein fragmentiertes Hilfesystem verschärfen diese Versorgungslücken.

Gemeinsam diskutierten Fachkräfte in der Fokusgruppe aus Gewaltschutz, Suchthilfe, Beratung und Verwaltung, was es braucht, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Die Gruppe konnte folgende zentrale Lösungsansätze erarbeiten: Mehr Schulungen für Mitarbeitende im Gesundheits-, Sozial- und Hilfesystem, sowohl zu Suchterkrankungen als auch zu Gewaltformen. Ein starkes, lokales Netzwerk, das Brücken zwischen Suchthilfe und Gewaltschutz schlägt. Sichere Notfallstellen für Frauen und ihre Kinder, unabhängig von ihrem Konsumstatus. Niederschwellige Zugänge zu Beratung und Unterstützung ohne Angst vor Ausschluss oder Stigmatisierung. Mehr Sichtbarkeit für das Thema, um Berührungsängste abzubauen und Hilfen frühzeitig nutzbar zu machen.

Die Gleichstellungs- und Inklusionsbeauftragten von Stadt und Enzkreis zogen ein positives Fazit: „Die große Beteiligung und die engagierten Diskussionen zeigen, wie dringend Verbesserungen benötigt werden und wie viele Fachkräfte bereit sind, diese gemeinsam anzugehen.“ Die Erkenntnisse des Abends sollen in die weitere Arbeit einfließen und Impulse für zukünftige Projekte und Kooperationen setzen.