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Forstwirtschaft und Naturschutz

Der Stadtwald ist weit mehr als eine reine Holzressource – er ist ein komplexes Ökosystem, das die Forstverwaltung mit Blick auf kommende Generationen bewirtschaftet und schützt. Als “grüne Lunge” der Goldstadt erfüllt er wichtige Funktionen: Beitrag zum Klimaschutz, Wasserspeicher und unverzichtbarer Rückzugsort für eine beeindruckende Artenvielfalt.

Die tägliche Arbeit im Pforzheimer Stadtwald folgt dem Prinzip der naturnahen Waldwirtschaft. Dabei ist der Schutz der natürlichen Ressourcen kein isoliertes Ziel, sondern integraler Bestandteil des Handelns. Die Forstwirtschaft fördert aktiv die Resilienz der Wälder, um die gegen die Herausforderungen des Klimawandels zu wappnen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Flora und Fauna zu bewahren.

Die Schwerpunkte im Überblick:

  • Biodiversität fördern: durch das Belassen von Alt- und Totholz sowie die Vernetzung von Biotopen werden Lebensräume für (seltene) Tier- und Pflanzenarten geschaffen
  • Waldumbau gestalten: strukturreiche Mischwälder aus standortangepassten Baumarten, die ökologisch wertvoll, stabil und anpassungsfähig sind
  • Artenschutz in der Praxis: gezielte Maßnahmen schützen gefährdete Arten - vom Schwarzspecht über Amphibien bis hin zu unterschiedlichen Orchideenarten
  • Trinkwasserschutz: Ein gesunder Waldboden ist der beste Filter für unser wichtigstes Lebensmittel - Wasser

Auf den folgenden Seiten können Sie mehr über die konkreten Naturschutzprojekte und die ökologischen Zusammenhänge erfahren.

Alt- und Totholzkonzept

In einem Wirtschaftswald werden Bäume meist geerntet, wenn sie ihren optimalen Holzzuwachs erreicht haben. Doch aus ökologischer Sicht beginnt die spannendste Phase eines Baumlebens oft erst im hohen Alter. Risse in der Borke, Faulstellen, Spechthöhlen oder Pilzbefall sind keine Zeichen von Schwäche, sondern wertvolle Lebensräume.

Um diese wertvollen Strukturen dauerhaft zu sichern, wird mit zwei zentralen Bausteinen gearbeitet:

1. Habitatbaumgruppen

Über den gesamten Stadtwald verteilt gezielt Habitatbaumgruppen ausgewählt.

  • Besondere Merkmale: Eine Gruppe besteht meist aus mehreren Bäumen, die besondere Merkmale aufweisen – wie etwa Höhlen, große Horste, Pilzkonsolen oder einen starken Efeubewuchs.
  • Dauerhafter Schutz: Diese Bäume werden mit einer speziellen Markierung (weiße Wellenlinie) gekennzeichnet. Sie sind streng geschützt und werden niemals gefällt.
  • Totholz-Garantie: Stirbt ein Baum innerhalb dieser Gruppe ab, bleibt er als stehendes oder liegendes Totholz im Bestand.

Besonders wertvolle Einzelbäume, zum Beispiel mit Horsten, seltenen Pilzen oder ungewöhnlichen Strukturen werden auch außerhalb dieser Gruppen als Habitatbäume geschützt. 

2. Waldrefugien: Die Ruhezonen der Natur

Waldrefugien sind dauerhaft aus der Bewirtschaftung genommene Waldparzellen. Hier darf der Wald wieder „Urwald von morgen“ sein.

  • Keine Eingriffe: In diesen Flächen findet keine Holznutzung statt. Bäume dürfen hier natürlich altern, absterben und zerfallen.
  • Vernetzung: Diese Inseln dienen als Rückzugsorte für störungsempfindliche Arten und als genetische Reservoirs.
  • Größe: Sie umfassen meist eine Fläche von ca. 1 bis 3 Hektar und bilden das ökologische Rückgrat des Waldes.

Totholz ist voller Leben

Was auf den ersten Blick “tot” wirkt, ist die Existenzgrundlage für tausende Arten. Käferlarven zersetzen das Holz, Moose und Flechten finden Halt, und Fledermäuse nutzen die lockere Rinde als Quartier.

Wussten Sie schon? Rund ein Fünftel aller im Wald lebenden Tiere und Pilze ist direkt oder indirekt auf Totholz angewiesen.

 

Sicherheit geht vor

Trotz der Naturschutzziele hat die Verkehrssicherung höchste Priorität. Entlang von Hauptwegen, Bebauungen oder Spielplätzen wird der Zustand der Bäume regelmäßig geprüft. Habitatbaumgruppen und Refugien werden daher bevorzugt in Bereichen angelegt, in denen sie keine Gefahr für Waldbesucher darstellen.

Feuchtbiotope im Stadtwald

Mehr Leben für den Stadtwald: Neue Tümpel als Antwort auf den Klimawandel

Wasser ist die Quelle allen Lebens – doch in unseren Wäldern wird es zunehmend knapp. Um die biologische Vielfalt im Pforzheimer Stadtwald zu bewahren, legt die Forstverwaltung derzeit gezielt neue Waldtümpel und Kleingewässer an. Damit schaffen wir wertvolle Rückzugsorte in einer immer trockener werdenden Landschaft.

Warum ist das notwendig?

Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen. Durch anhaltende Hitzeperioden und ausbleibende Niederschläge sind viele natürliche Feuchtbiotope im Stadtwald dauerhaft ausgetrocknet.

Was früher als verlässliche Kinderstube für Amphibien diente, ist heute oft nur noch staubiger Boden. Da diese Kleingewässer meist keinen Anschluss an das Grundwasser haben, sind sie direkt vom Regen abhängig. Ohne menschliche Unterstützung verschwinden diese sensiblen Lebensräume und mit ihnen die Arten, die auf sie angewiesen sind.

Wem nützt die Neuanlage?

Die neuen Tümpel fungieren als „Hotspots der Biodiversität“. Von der neuen Wasserverfügbarkeit profitiert eine Vielzahl von Bewohnern:

  • Amphibien: Erdkröten, Bergmolche und Feuersalamander finden endlich wieder sichere Plätze für die Eiablage.
  • Insekten: Libellen nutzen die Wasserflächen zur Jagd und Fortpflanzung; für Wildbienen und Schmetterlinge dienen sie als lebensnotwendige Tränken.
  • Vögel & Säugetiere: Vom Buntspecht bis zum Reh – viele Waldbewohner nutzen die Tümpel als Trinkstelle, besonders in den heißen Sommermonaten.
  • Das Waldklima: Wasserflächen wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit im direkten Umfeld und kühlen den Waldboden ab.