In Würdigung ihrer außergewöhnlichen Verdienste um die Stadt Pforzheim hat Oberbürgermeister Peter Boch am Mittwoch, 13. Mai, im Wildpark Pforzheim die Ehrenbürgerwürde an Waltraud Steinle verliehen. Sie ist damit die zehnte Person und zugleich die erste Frau nach dem Zweiten Weltkrieg, der diese höchste städtische Auszeichnung zuteilwird.
In seiner Laudatio würdigte der Rathauschef Waltraud Steinle als Persönlichkeit mit großer Beharrlichkeit, Leidenschaft und außergewöhnlichem Engagement für das Gemeinwohl. Steinles Engagement habe der Stadt mehr gegeben, als Worte ausdrücken können: „Ihr Engagement hat Generationen geprägt – und wird es auch in Zukunft tun“, hob Boch hervor. Zugleich erinnerte er an die Lebensgeschichte der Geehrten, die eng mit der Geschichte Pforzheims verbunden ist. Sie habe wie viele Pforzheimerinnen und Pforzheimer „mit Mut, Tatkraft und Zuversicht dazu beigetragen, ihre Stadt aus den Trümmern wieder entstehen zu lassen“. Ebenso erklärte Boch in seiner Rede, welchen enormen Anteil Waltraud Steinle und ihr 2006 verstorbener Ehemann Ewald Steinle bei Entstehung und Entwicklung des Wildparks Pforzheim hatten: „An diesem Erfolg haben über die Jahrzehnte hinweg viele Menschen mitgearbeitet, doch die eine große Konstante über diese lange Zeit hinweg, war das Ehepaar Steinle. Sie waren die treibenden Kräfte hinter der stetigen Weiterentwicklung unseres Wildparks - mit Leidenschaft, Ausdauer und Weitblick.“
Nach der Laudatio überreichte der Rathauschef die gerahmte Ehrenbürgerurkunde zusammen mit einem Blumenstrauß an Waltraud Steinle. Anschließend wendete sich Steinle an die Anwesenden und bedankte sich. Auch Christoph Meißner, 2. Vorsitzender des Fördervereins Wildpark e.V., nutze die Gelegenheit seine Wertschätzung gegenüber Waltraud Steinle auszudrücken. Umrahmt wurde die Veranstaltung von einem Streichtrio des Südwestdeutschen Kammerorchesters. Im Anschluss daran fand ein kleiner Stehempfang statt, der Gelegenheit für Gespräche und Austausch bot.
Waltraud Steinle – Leben und Engagement
Waltraud Steinle wurde am 2. März 1922 in Pforzheim geboren. Als junge Frau erlebte sie den Zweiten Weltkrieg und die vollständige Zerstörung ihrer Heimatstadt am 23. Februar 1945. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie sich anschließend eine neue Existenz auf. Von Beginn an unterstützte sie die Vision ihres Mannes, in Pforzheim einen Wildpark zu schaffen. Nach der Gründung des Wildparkförderkreises im Jahr 1967 und der Eröffnung des Wildparks 1968 engagierte sich Waltraud Steinle über Jahrzehnte hinweg aktiv an der Seite ihres Mannes für die Entwicklung der Anlage. Gemeinsam trieben sie zahlreiche Projekte voran – darunter die Naturbildungsstätte „Ewald-Steinle-Haus“, neue Tieranlagen sowie den Ausbau des pädagogischen Angebots. Auch nach dem Tod ihres Mannes setzte Waltraud Steinle dessen Lebenswerk mit großer Entschlossenheit fort. Sie blieb dem Förderverein Wildpark Pforzheim eng verbunden, unterstützte den Park ideell und finanziell und war maßgeblich an zahlreichen zukunftsweisenden Projekten beteiligt. So konnte 2009 eine moderne Anlage für Fischotter, Marderhunde und Waschbären eröffnet werden. 2014 gründete sie die „Ewald und Waltraud Steinle Stiftung“, die bis heute einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Unterstützung des Wildparks und zum Erhalt der Eintrittsfreiheit leistet. Ein weiterer Meilenstein folgte 2019 mit der Eröffnung der begehbaren Volierenanlage für Uhus und Waldrappen. Selbst im hohen Alter blieb Waltraud Steinle eine treibende Kraft hinter der Weiterentwicklung des Wildparks. Mit großem persönlichem Einsatz unterstützte sie auch das bislang größte Projekt in der Geschichte des Wildparks: das neue Besucherzentrum mit Gastronomie, Tourist-Information, grünem Klassenzimmer und Souvenirshop. Beim Spatenstich im Frühjahr 2024 war Waltraud Steinle im Alter von 102 Jahren persönlich anwesend. Im Herbst 2025 wurde das Besucherzentrum eröffnet. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung trägt der zentrale Platz des Gebäudes heute den Namen „Waltraud-Steinle-Platz“. Der Wildpark Pforzheim zählt heute zu den beliebtesten Freizeit- und Bildungseinrichtungen der Region und besitzt eine Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Ehrenbürgerrecht
Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die eine Kommune an Persönlichkeiten für herausragende Verdienste um das Wohl einer Stadt verleiht. Sie wird durch einen Gemeinderatsbeschluss vergeben. Die geehrte Person erhält eine Ehrenurkunde durch die offiziell das Ehrenbürgerrecht verliehen wird.
Bisher wurde diese Auszeichnung nachstehenden Persönlichkeiten verliehen:
- Dipl.-Ing. Julius Moser (verstorben am 12.02.1970)
- Dr. Johann Peter Brandenburg, (verstorben am 03.03.1977)
- Theodor Scheidt, Architekt BDA: (verstorben am 09.08.1976)
- Dr. Willi Weigelt (verstorben am 28.10.2002)
- Dr. Richard Ziegler (verstorben am 23.02.1972)
- Dr. Walter Witzenmann (verstorben am 15.08.2004)
- Professor Rolf Schweizer (verstorben am 06.06.2016)
- Werner Wild (verstorben am 30.09.2020)
- Manfred Bader (verstorben am 29.01.2021)

