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Fördermittel für das Stadtarchiv

Bund bewilligt erneut umfangreichen Zuschuss für Erhaltung von Archivgut

Das Stadtarchiv Pforzheim wird erneut gefördert und erhält Mittel aus dem BKM-Förderprogramm „Schriftliches Kulturgut erhalten“.
Das Stadtarchiv Pforzheim wird erneut gefördert und erhält Mittel aus dem BKM-Förderprogramm „Schriftliches Kulturgut erhalten“.
© Foto: Stadt Pforzheim
Saures Papier ist nicht geduldig, sondern vergilbt und versprödet, bis es immer rissiger wird und bei jeder Berührung zerfällt. Den Prozess kann nur eine Papierentsäuerung stoppen.
Saures Papier ist nicht geduldig, sondern vergilbt und versprödet, bis es immer rissiger wird und bei jeder Berührung zerfällt. Den Prozess kann nur eine Papierentsäuerung stoppen.
© Foto: Stadt Pforzheim

Das Stadtarchiv Pforzheim erhält wie in den Vorjahren eine Finanzspritze aus den Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder. Das Förderprogramm „Schriftliches Kulturgut erhalten“ wird von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) betreut. Es wurde 2026 eingerichtet und ersetzt die bisherigen Förderlinien der KEK.

Ganz besonders freut uns auch die Unterstützung durch die Pforzheimer Bundestagsabgeordneten, Gunther Krichbaum und Katja Mast, die sich in Berlin für das Projekt eingesetzt haben.

Das geförderte Projekt Originale dauerhaft erhalten! Massenentsäuerung der amtlichen Bestände des Stadtarchivs Pforzheim (Besatzungskostenamt, Steueramt, Gemeindearchiv Eutingen) wird wieder über zwei Jahre laufen. Im Fokus steht dabei klar die Massenentsäuerung. 2026 und 2027 sollen jeweils rund 1,5 Tonnen Archivgut entsäuert werden. Die Entsäuerung ist entscheidende Voraussetzungen für die Erhaltung des Archivguts. 

Die Entsäuerung ist notwendig, weil Papiere seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund neuartiger Herstellungsverfahren stark säurehaltig sind, was Zersetzungsprozesse beschleunigt. Besonders Papiere aus der Zeit zwischen 1914 und den 1980er Jahren haben einen niedrigen pH-Wert. An Stücken des Stadtarchivs wurden pH-Werte um 3,5 gemessen, was etwa so sauer ist wie Essig oder saurer Regen. Die Folge: vergilbtes, sprödes, brüchiges Papier, das bei jeder Benutzung zerbröselt. Um die Benutzbarkeit zu erhalten, müssen die Unterlagen möglichst früh einer Entsäuerung unterzogen werden. In Spezialanlagen werden jeweils etwa 3-400 kg Papier in einer speziellen Flüssigkeit gebadet und anschließend schonend wieder getrocknet. Im Papier bleiben Substanzen zurück, die alkalisch wirken. Der pH-Wert soll dann mindestens 7, also neutral sein, optimal für eine nachhaltige Wirkung sind aber etwas höhere Werte. Die Behandlung macht das alte Papier fit für die Zukunft und erhöht seine Lebensdauer erheblich. Dadurch können auch in einigen Jahrhunderten noch interessierte Nutzerinnen und Nutzer das Archivgut im Original einsehen und für ihre Forschungen auswerten.

Für das Projekt ausgewählt wurden amtliche Bestände, die unverzichtbare Quellen für die Geschichte Pforzheims, aber auch die Region Nordschwarzwald sind. Als einer von neun baden-württembergischen Stadtkreisen nimmt Pforzheim eine besondere Stellung in der Verwaltungsgliederung des Landes ein. Für das Archivgut Pforzheims gilt daher in besonderem Maße, dass es nicht allein Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft dieser Stadt abbildet, sondern essentieller Bestandteil des Mosaiks ist, aus dem die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts zusammengesetzt ist. Daher hat auch der Bund ein Interesse daran, das Pforzheimer Archivgut als national wertvolles schriftliches Kulturgut zu erhalten. 

Das Stadtarchiv Pforzheim profitiert seit 2020 von Zuschüssen aus dem BKM-Sonderprogramm zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, alle bisher eingereichten Anträge wurden positiv beschieden. Die Fördermittel wurden vor allem für die Entsäuerung von Archivgut und historischen Zeitungen eingesetzt.

Für das Stadtarchiv ist die Förderung aus Bundesmitteln eine wertvolle und dringend benötigte Unterstützung. Nur aus eigenen Haushaltsmitteln könnte das Stadtarchiv das Gesamtprojekt Originale dauerhaft erhalten! nicht in angemessener Zeit umsetzen. Bis alles Archivgut, das eine Entsäuerung nötig hat, behandelt wurde, wird es noch viele Jahre dauern.